• Dieser Text, zum 9 Jahrestag der großen Kathastrophe von einem Underberger Bürger verfasst, beeschreibt in groben Zügen die Lage der Stadt im Frühjahr 2016



    Ach Underbergen, Du schwer geplagte Stadt.


    Geschaffen warst Du vor siebeneinhalb Jahrhunderten als neue Heimat einer durch Feuer zerstörten Stadt. Geblüht hast Du als Kurort mit Heilkraft, die im ganzen Land wirkte


    Ach Underbergen, gepeinigte Stadt,


    Heilkräfte hast Du jetzt selbst bitter nötig. An jenem schicksalhaften Tag vor neun Jahren, als sich für Dich alles veränderte. An jenem 25. April 2007, oder 2 NZ, wie Du es damals nanntest. Als ein nicht provozierter Krieg über das Königreich hereinbrach und das gesamte Land dem Erdboden gleich machte. Nur Du hast überlebt, vermutlich, weil die Angreifer nicht dran dachten, dass es Dich gibt. Die Gnade der Unbekanntheit.
    Hast rasch ein paar Tausend Flüchtlinge aufgenommen, die gar schreckliches aus dem Land erzählten. Hast Deine Einwohnerzahl innerhalb weniger Wochen fast verdoppelt. Hast verzweifelt versucht die Ordnung aufrecht zu erhalten und gleichzeitig erkennen müssen, dass Dir niemand dabei helfen würde. Weil niemand mehr da war.


    Hast als Stadt nicht mehr funktioniert und musstest als Staat Unmögliches leisten. Ein Wunder , dass Du es geschafft hast eine seit Jahren stabile Regierung zu bilden. Für politische Grabenkämpfe fehlen Dir die Kraft und die Leichtigkeit des Seins


    Ach Underbergen, Du armes reiches Land,


    reich bist Du an wertvollen Erinnerungen an die Zeit als Du noch eine kleine Stadt warst. Reich wurdest Du schlagartig an Bevölkerung. Arm bist Du an Land, an Wohnraum, an dem Nötigsten.
    Reich bist Du an menschlicher Wärme. Deine Bewohner, eingesessen oder zugeflüchtete, haben es geschafft, sich mit der Lage zu arrangieren. Haben es geschafft, individuelle Bedürfnisse dem Gemeinwohl unterzuordnen. Helfen einander wo es nur geht.
    Arm bist Du an Möglichkeiten, Deinem Volk ein wohliges Zu Hause zu bieten. Gerade dass es täglich etwas zu essen gibt, schaffst Du irgendwie einigermaßen sicherzustellen. Ansonsten bist Du in vielen Dingen auf ein frühindustrielles Zeitalter zurückgeworfen. Keine modernen Medien kannst Du Dir erlauben. Gerade mal eine wöchentlich erscheinende, sehr dünne Zeitung hast Du. Aber was gibt es schon zu berichten, was Volkes Mund nicht schneller verbreitet als Du „Underbergen“ sagen kannst. Dringendes wird ohnehin am Rathaus angeschlagen.


    Einige kulturelle Eigenheiten hast Du verloren. Dein „Underberger Gras“, berühmt für seine Heilkräfte, hast Du verloren, um Ackerland zu schaffen. Nicht dass man an Berghängen besonders gut Landwirtschaft betreiben könnte, aber Du brauchtest dringend Platz.
    Das kleine Ortskirchlein, einst Zentrumchen der gar außergewöhnlichen Religion der Eostrer, ist jetzt ein Multikultigebetshaus in dem global verbreitete Religionen sich den Platz teilen. Nach der großen Katastrophe hat keiner mehr an den heiligen Hasen geglaubt. Den Du trotzig immer noch in Staats-und Stadtwappen trägst.


    Der Sendrak, der Fluss, der Dir einen kleinen Hafen ermöglichte, ist durch das verwüstete Königreich bedeutungslos geworden. Und doch versuchst Du verzweifelt, den Hafen intakt zu halten. Reich an Träumen bist Du. Arm an Mitteln, sie zu verwirklichen.


    Ach Underbergen, geliebte Heimat,


    Dein Schicksal ist es wie bei Deiner Schaffung, Flüchtlingen eines großen Unglücks eine neue Hoffnung zu geben. Schau nach vorn, starke Stadt. Werde zum Kraftzwerg, der allem Unbill zum Trotz nicht umfällt.
    Gib niemals auf.
    LEBE !

    ehedem Bürgermeister und Präsident von Stadt und Staat Underbergen