Talka an'nadschaf

  • In der Stadt Talka an'nadschaf im Westen Onaks erklären im Januar 2017 dubiose Ausländer einem fetten Herrn mittels eines mitgebrachten Dolmetschers, dass sie gerne mit der Bürgermeisterin oder einer "großen Geschäftspersönlichkeit" reden würden.


    "Sie reden mit mir. Ich entscheide dann, ob es die Zeit meiner Tante wert ist", sagt der fette Herr.


    "Okay gut. Ich bin Juliano Fels, ich bin im Auftrag von internationalen Investoren unterwegs", erhält er als Reaktion. "Diese sind daran interessiert, insbesondere im Bereich der Ressourcen- und anderen primären Industrie neue Gebiete zu erschließen. Wenn das in dieser Region möglich ist, auch hier."


    "Und warum kommen Sie dann mit dem Wagen hierher, ohne sich vorher elektronisch oder telefonisch anzumelden?"


    "Nun, zum einen wissen wir nicht, wie wir, in diesem Fall speziell Sie, erreichen können", erklärt Fels. "Außerdem komme ich so ein bisschen herum."


    "Auf der Seite im Internationalen Netz sind Kontaktadressen und Nummern zu finden." Der Mann sah erst irritiert aus, nun wirkt er gelangweilt und redet wie man mit einem Kind reden würde.


    "Falls dem so ist haben wir solche nicht gefunden. Danach gesucht haben wir." Fels zuckt nicht mit der Wimper. Aber vielleicht geht ein Teil des Tons auch in der Übersetzung verloren. "Aber wenn Sie wollen, mache ich einen Termin aus und komme noch mal wieder."


    "Gut, tun Sie das. Am besten geben Sie dann dort auch gleich die Gründe an."


    "Ist die Bürgermeisterin nicht ihre Tante?", fragt Fels. "Können Sie nicht einen Termin vergeben?"


    "Ich bin nur hier, weil mich Ihr seltsames Gebahren hat stutzig werden lassen. Sie hätten eine Bedrohung sein können. Nun kennen Sie ja den richtigen Weg."


    Fels steigt wieder ein, der Wagen fährt wieder davon. "Für dich ist ein überfetter Burger doch schon ne Gefahr" denkt er sich. Eine Weile später machen die Ausländer einen Termin mit einer offiziellen Stelle aus. Die freundliche Antwort und Terminvergabe erfolgen prompt.


    Zum Termin kommen die Ausländer wieder in die Stadt gefahren. Sie werden von einigen freundlichen Herren in Anzügen in einen kleinen Speisesaal geleitet, der mit Fresken von Rosen und anderen Blumen an den Wänden verschönert wurde. Auf dem Boden liegen aufwändig gewebte schwere Teppiche und die Sessel um den mit Flammenschalen beleuchteten Tropenholztisch in der Mitte des Raumes sind mit Seide gefüttert. Eine ältere, grauhaarige Frau in einem fein gewebten schwarzen Kleid mit strenger, hochgesteckter Frisur sitzt in einem der Sessel. Sie schläft.


    Die Delegation folgt den Herren in Anzügen in den Speisesaal. Nun wartet man ab, da die Bürgermeisterin wohl noch "abwesend" ist.


    Hinter ihnen betritt eine Frau in mittleren Jahren den Raum. Sie ist ziemlich groß für eine Frau und attraktiv kann man sie mit ihrem schlichten braunen Haar und den hageren Zügen kaum nennen. Doch die Intelligenz steht deutlich in ihren grauen Augen. Sie trägt einen modernen Geschäftsanzug und hält ein Tablet in der Hand. "Nun, Sie wollten mit mir sprechen? Lassen Sie meine Buchhalterin schlafen, sie ist nicht mehr die Jüngste."


    Einer der Herren schaut schaut kurz zur Buchhalterin und wieder zur Bürgermeisterin und scheint etwas sagem zu wollen, lässt es dann aber. Ein anderer ergreift das Wort: "Ja, Guten Tag. Wenn ich mich vorstellen darf, ich bin Eduardo Fels, im Auftrag der Utopia AG Roh- und Werksstoffe unterwegs."


    Die Bürgermeisterin nickt. "Und was genau kann ich für Sie tun?" - "Nun, falls möglich möchten wir auch in dieser Region neue Industrie ansiedeln. Insbesondere in der primären Industrie will die Utopia AG investieren, Rohstoffgewinnung und -verarbeitung. Dazu suchen wir lokale Partner."


    "Von welchem Umfang sprechen wir hier in Bezug auf Investitionsvolumen, erwarteten Umsatz, Arbeitsplätzen und wie wollen Sie die infrastrukturellen Voraussetzungen schaffen?" - "Langfristig bis zu einigen zehn Millionen Reichstaler, wenn es wirtschaftlich erscheint. Dementsprechender Umsatz und einige hundert bis später mindestens einige tausend Arbeitsplätze."


    "Und die Infrastruktur wollen Sie in welcher Form anlegen? Wie soll das alles verschifft werden? Straßen, Fachkräfte und einen Obulus für die Regierung muss man einplanen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich verdiene gerne Geld, allerdings bin ich nicht ohne sorgfältige Planung an dieses Amt gekommen. Es gibt hier draußen Tausende, die eine Frau für dumm, schwach und ausnutzbar halten." - "Wir haben bereits Erfahrungen mit den Behörden in Niniveh gesammelt und für größere Überseetransporte ist as-Suriya zumindest nicht ganz ungeeignet. Für die Utopia AG kommt eine eigene Verschiffungsanlage in Frage, sollten sich die bestehenden Anlagen als unzureichend erweisen. Die Straßen sind zugegeben schlecht, aber immerhin vorhanden, die Qualität ließe sich doch verbessern, richtig? Für den Fall dass die Utopia hier tätig wird, wird sie auch, in erster Linie im Rahmen der unternehmerischen Tätigkeit, eigene Ausbildungsprogramme betreiben."


    "Nun, es fehlt an Zement", sagt die Bürgermeisterin, "und auch dann ist die Witterung ein Problem. Zugegebenermaßen ist das Land zwischen den Bergen und dem Fluß weniger betroffen, jedoch würde ich davon ausgehen, dass die sehr lukrativen Vorkommen an Uran an der Ostseite weiterhin schwer zu bekommen sein wird. Hier im Westen gibt es davon geringere Vorkommen, ansonsten reden wir hier über Eisen, Steinsalz und Mangan, die wir auf Grund fehlender technischer Anlagen schlecht erschließen können. Die Stämme im Süden werden Ihnen sicher etwas von Gold erzählen, aber davon reden sie seit Jahrzehnten und nie kam mehr als Schlamm dabei heraus."


    "An Zement oder technischen Anlagen soll es nicht scheitern", sagt Fels. "Wieso ist an die lukrativen Vorkommen eher schwerer zu kommen?" - "Sie wissen, was mit Beton, Zement und Anlagen in der Witterung der Wüste passiert?" - "Erhöhter Verschleiß durch sandigen Wind? Dagegen lassen sich sicherlich Vorkehrungen treffen."


    "Unter anderem", beharrt die Bürgermeisterin. "Welche Vorkehrungen haben Sie denn im Sinn?" - "Erosionsbeständige Materialien und Beschichtungen, Filter für die Lüftungsanlagen, Verwehungsschutz speziell in diesem Fall. Widrige Bedingungen sind zwar erschwerend, aber machen die Sache ja nicht unmöglich." - "Aber sehr sehr teuer. Und dann wäre da noch die Sache mit den Beteiligungen, Genehmigungen, Sicherheiten und Versicherungen. Das wird sich sehr lange kaum lohnen."


    "Sie sprachen doch vorhin von lukrativen, ergiebigen Vorkommen, zumindest was das Erz in den schwierigeren Regionen angeht", erinnert sich der Ausländer. "Wegen der Genehmigungen bin ich gerade hier. Wo sehen Sie einen Haken?" - "Infrastruktur und Ausbildung erfordern Zeit. Ich habe diese Stadt nicht schon immer regiert, sondern mein ganzes Leben daran gearbeitet. Es gibt immer Risiken, die bedacht werden müssen. Und schnell schnell geht es da nirgendwo."


    "Eine einfache Straße ist schnell gebaut", meint Fels, "Ausbildungen und die Bauarbeiten an Verarbeitungsanlagen können zumindest teilweise parallel stattfinden. Im Allgemeinen gehe ich davon aus, dass wir nach Abschluss der Voruntersuchungen innerhalb ein bis zwei Jahren den Betrieb aufnehmen können." - "Gut, der Zeitplan ist zumindest vernünftiger als ich dachte. Ich denke, wir sollten zur Verteilung der Kosten und Gewinne kommen."


    Fels zieht ein kleines bisschen die Augenbraue hoch. "Demnach haben Sie vor, auch selbst zu investieren?" - "Menschen, Material, Sicherheiten. Darum sind Sie doch zu mir gekommen. Ich kenne die Leute, habe meine Kontakte und weiß, wie man hier in der Region auftritt. Oder wie haben Sie sich das vorgestellt? Sie suchten nach Partnern, so weit ich das verstanden habe. Oder nicht?"


    "Schon." Jetzt ist Fels ein wenig verwirrt. "Die Gewinne sollten so aufgeteilt werden wie die Investitionen, ich denke das wäre fair wenn Sie sich an der Unternehmung beteiligen wollen. In diesem Zusammenhang war ich von ihnen zu diesem Gesprächszeitpunkt noch in erster Linie als Verwaltungsinstanz ausgegangen. Zunächst würde die Utopia Werksstoffe geologische Untersuchungen durchführen lassen, um passende Standorte zu finden, sich anschließend an diesen ansiedeln und bei Bedarf zugehörige Infrastruktur et cetera errichten. Wenn Sie vorhaben sich an der unternehmerischen Umsetzung tiefergehend zu beteiligen wollen steht dem eigentlich nichts im Wege."


    "Wir stellen Personal, Arbeiter, Kontakte und Sicherheit zur Verfügung", sagt die Bürgermeisterin. "Die Stämme und Behörden überlassen Sie am besten uns. Unsere Leute kennen sich mit den Gefahren aus. Mit dem Wetter und der Wüste."


    "Ich werde also meinen Vorgesetzten grünes Licht geben und in etwa ein- bis zwei Monaten können Sie hier mit einem geologischen Sachverständigen rechnen", erklärt Fels. "Ist das ausreichend Vorbereitungszeit?" - "Ja, dann dürften wir alles beisammen haben. Die neue Regierung wird eh noch sehr lange benötigen, überhaupt das Zentrum des Landes zu organisieren, da brauchen wir denen Inspektoren nicht zu fürchten."


    "Wäre denn zu erwarten, dass die Regierung gegen Bergbau oder Weiterverarbeitung opponiert?", fragt Fels etwas besorgt. "Es sind Futunen", antwortet die Bürgermeisterin, "wer weiß schon, was die denken."

    Fels nickt. Keine Ahnung was Futunen so denken! "Was gibt es im Vorfeld sonst noch zu klären?"


    "Vielleicht könnten Sie vorher noch einmal anrufen", meint die Amtsträgerin, "so dass man die Anzahl und Namen Ihrer Angestellten kennt, so dass wir optimale Sicherheit bieten können." - "Das wird sich sicherlich machen lassen. Danke für ihre Zeit."


    Eine Weile später kündigen sich die Prospektoren an und treffen dann in einem Konvoi mit LKWs, Smackwadda-Jeeps und einer handvoll Bussen ein. Die Wächter, einheimischen Führer und Arbeiter treffen nach und nach ein. Sie schauen dem Ganzen sehr neugierig zu. Der Großteil des Konvois hält zunächst außerhalb, zwei der Jeeps fahren zum Treffpunkt mit dem Empfangskomitee, aus dem ersten Jeep steigt Fels aus, aus dem zweiten Söldner "in zivil".

    Wächter der Schöpfung


    Jedermann-ID
    Passwort: futuna2.0