[Persuna]Haus Gried

  • Auf wundersame Weise - oder wahrscheinlicher Schmiergelder und Drohungen - blieb das Haus der Familie Gried in der Altstadt Persunas von allen Widrigkeiten verschont. Im Garten starren sich Mammut und Kamel an, während die Schildkröte langsam aus dem Galis kriecht. Nach der Verbannung seiner schwachsinnigen Schwester und dem Auszug von Bruder und Tochter bewohnt Faantir das Haus nur mehr allein, auch wenn er dieses meist nur an Wochenenden aufsuchen kann und dann auch nur, wenn nicht wieder eine neue Dauerdiskussion oder Lobbyarbeit im Hohen Rat ansteht.


    Es ist einer jener Abende, an denen er die Gesellschaft anderer vermisst, auch wenn er sich eingestehen muss, dass er am Zerfall der Familie nicht unwesentlichen Anteil besitzt. Politische Brillianz und wirtschaftliche Expertise gingen bei ihm stets mit sozialen Versagen einher. Der Ruf als arrogantestes Arschloch Futunas ist mitunter wohlverdient und die mangelnde Zurückhaltung hat wohl zum Bruch mit seinem Bruder beigetragen. Er hat zwar nicht die Probleme wie die Schwester, welche seit einem Jahrzehnt zwangseingewiesen in einer Anstalt sitzt, aber man kann sich dennoch nur wundern, wie aus seiner Tochter eine stabile und selbstsichere Person wurde.


    Er hat über ein Drittel der durchschnittlichen Lebensspanne in Futuna hinter sich gelassen, doch erst gerade beginnen die ersten Zeichen zu erscheinen, welche auf ein Altern schließen lassen. Fehlende Bekanntschaften neben der Arbeit lassen ausgiebige Sporteinheiten zu und so ist der ehemalige Champion der Phönixwachen nur geringfügig langsamer als früher. Doch physische Fittness mag nicht davon ablenken, dass Faantir immer öfter ins Nichts starrt. Auch eine Person, die sich immer durch unnahbare Arroganz und kühle Unnahbarkeit auszeichnete, stößt irgendwann an ihre Grenzen, besonders wenn das eigene Leben faktisch leer ist.


    Mit einer Tasse Sternentraum liegt Faantir unter dem Insektennetz in der Gartenschaukel und sinnt nach.

    Stolz ist die Maske der eigenen Fehler.


    Stolz ruft Unheil herbei; Demut läßt die Ernte reifen.


    Höchsten Stolz beweist ein Mensch, der das Gute auch dann tut, wenn es niemand bemerkt.