Am Ufer des großen Binnensees...

  • Den beiden Aufpassern ist es herzlich egal, was Rousseau macht. Bitter, dass sie diesen Auftrag gefasst haben, denn am Ufer des Grossen Binnensees mag es vielleicht Artefakte früherer Zivilisationen geben, aber keine Hinterlassenschaft der aktuellen Gesellschaft - sprich keine Bars, Nachtclubs und Restaurants. Und Pizza liefert auch keiner hierher. Aber Lagerfeuerromantik hat ja auch seinen Reiz. Nur sollte man nachts nicht allzuweit von den Lagerfeuern weg. Wegen den Krokodilen und den Schlangen.

  • Eines Abends, die beiden Geheimdienstleute langweilen sich am Lagerfeuer wieder zu Tode, legt der eine seine Tablet zur Seite und witzelt den Professor an:


    He Professor, wenn Sie ein Dimensionstor finden, sagen Sie das unserem General, der sucht sowas nämlich!


    Der andere Geheimdienstler legt sein Buch zur Seite und lacht nicht über den Witz.


    Pass bloss auf, dass wir hier nicht Sachen finden, die besser nicht gefunden werden. Ich hab da schon Zeugs über alte Zivilisationen und deren schwarze Künste gelesen, da sträuben sich mir die Nackenhaare.


    Wie zur Bestätigung hört man hysterisches Schreien einer Affenhorde ganz in der Nähe. Die beiden Geheimdienstler greifen reflexartig nach ihren Gewehren, die nie weiter als eine Armlänge von ihnen entfernt sind.

  • Rousseau lächelt etwas gelangweilt über die Bemerkung des Geheimdienstlers, greift sie dann aber doch auf, um mit den beiden Aufpassern ins Gespräch zu kommen.


    Was haben Sie denn Haarsträubendes über alte Zivilisationen gelesen, Monsieur?

  • Die Geschichte von der Spinnenfrau zum Beispiel. Sie kommt aus dem Nebel, schiesst ihre Fäden auf dich ab, wickelt dich ein und schleppt dich in ihr Netz, wo du dann ihr und ihrer Brut als lebendes Futter dienst.


    Oder die Harpyen, die in den alten Affenbrotbäumen am Ufer nisten und sich in der Dunkelheit ihre Opfer suchen. Was glaubt ihr wohl, warum es hier keine Zivilsationen mehr gibt und sich der Schwarze Hahn in seinen Hügelstädten eingebunkert hat? Dieses Land gehört dem Teufel und ist verflucht. Nur in den Hügelstädten sind wir vor all diesen Dämonen sicher. Was meint ihr, warum in jeder Hügelstadt das Kreuz der Kirche der höchste Punkt ist? Nur das Kreuz hält uns diese Viecher vom Leib!


    Hört ihr, wie die Affen kreischen? Sicher fliegen ein paar Harpyien um sie herum und suchen mit ihren hübschen Frauenköpfen nach Affenfleisch, in das sie ihre Klauen schlagen können ...

  • Nachdem ihm sich die Nackenhaare wieder etwas gelegt hat, wird auch der andere Geheimdienstler gesprächig.


    Und das mit dem Dimensionstor, Herr Professor, das gibt es. Ich habe es selbst gesehen! Damit hat der Schwarze Hahn früher seine Invasionen in tote Länder gemacht und die ausgeplündert und alles zusammengerafft, was ihm in die Hände geriet. Ich war damals einfacher Soldat im Regiment Rapax und war einmal bei so einem Raid dabei. Das Problem beim Dimensionstor war, dass nur ein Lkw gleichzeitig durchpasste und es so sehr gefährliche Staus auf der anderen Seite gab. Wenn da ein Gegner, der sich gefasst hatte, dazwischenschlug, waren schlimme Verluste vorprogrammiert.


    Und das zweite Problem mit dem Ding war, dass man es nicht richtig justieren konnte und nie genau wusste, was auf der anderen Seite war. Wenn auf der anderen Seite Wasser war und sich das Tor öffnete, ergoss sich das Meer oder der See auf die Schwarzhahnseite und alles soff ab. Deshalb hat man es nur einen kleinen Spalt aufgemacht und dahinter eine riesige Halle gebaut, in die das Wasser oder giftige Dämpfe oder so Zeugs aufgefangen werden konnten. Der Einsatz dieses Dimensionstores war auch für unsere Seite sehr gefährlich. Das hat mir ein Vetter von mir erzählt, der bei der Militärpolizei diente und immer nahe dran war an dem Ding.


    Und das dritte Problem war, dass die Staaten der mikronationalen Welt das Dimensionstor gar nicht mochten. Wenn der Hahn es noch einige Male eingesetzt hätte, dann wäre es zweifellos ein Atombombenziel geworden. Aus diesem Grund hat der Zwölferrat das Tor versteckt. Aber es ist da und eine Hügelstadt steht heute darauf. Aber unter dieser Hügelstadt lauert das Tor auf seinen Einsatz. Das hat mir der Vetter von der Militärpolizei erzählt und der weiss es von einer Prostituierten. Einer vom Zwölferrat hat der das bei einem Schäferstündchen geplaudert!


    Es gibt Dinge, mein lieber Herr Professor, da möchten Sie lieber nicht genau Bescheid wissen.

  • Menschenfressende Spinnen? Harpyien? Naja ... ich denke nicht ... andererseits: Irgendetwas könnte natürlich dran sein an solchen alten Sagen und Legenden. Aber ein Dimensionstor? Ich fürchte, für solche Geschichtchen müssen Sie sich jemand anderes suchen. Das klingt mir zu sehr nach Soldaten-Märchen am Lagerfeuer.

  • Denken Sie, was Sie wollen, Herr Professor. Jeder, der im Krieg über lange Zeiträume in ständiger Todesgefahr war wie wir es waren, der weiss, dass es zwischen Himmel und Erde Dinge gibt, die rational mit Wissenschaft nicht erklärbar sind. Wir haben Sachen gesehen und erlebt, das glaubt eh keiner, so wie Sie jetzt gerade eben. Tun Sie uns nur als Märchenerzähler ab, das stört uns nicht.


    Die beiden Geheimdienstleute widmen sich wieder ihrem Tablet bzw. Buch.

  • Das, was wir hier machen, meine Herren, ist echte Wissenschaft. Das ist mein Handwerk. Dinge auszugraben, die man sehen und mit Händen fassen kann. Ihre Geschichten können mich unterhalten, aber mehr nicht. Ihr Dimensionstor muss ich schon wahrhaftig in Aktion sehen, wenn ich daran glauben soll.