Beiträge von Richard de Sonnac

    Einverstanden. Mais contre-cœur! Ich hoffe, die Comtesse schätzt unser grosszügiges Entgegenkommen.


    Wenn jemand sich durch einen Generalunternehmer ein Haus bauen lässt, dann ist das Endresultat ein schlüsselfertiges Haus, d.h. der Generalunternehmer drückt dem Auftraggeber den Schlüssel für das Haus in die Hand und fertig.


    Wir sehen uns in diesen nordnericanischen Badlands als Generalunternehmer für Sie. In welchem Zustand und bis wann möchten Sie, dass wir Ihnen diese Gebiete übergeben, Comtesse?

    Zieht ein überhebliches Gesicht.


    Dieses Morcia, das früher eine Kolonie von Grasonçe war, ist Niemandsland. Wir gehen davon aus, dass dort anarchistische Strukturen mit Warlords und Clans herrschen. Mit solchem Gesindel sind wir vor dem Mittagessen fertig, Madame. Aufstandsbekämpfung ist unser Kerngeschäft.


    Neben Morcia, wo früher die verdonische Kolonie Béchar war, ist heute aber Kijanibonde. Das ist zwar auch ziemlich instabil, ist aber immerhin vorhanden und hat auch Protégés in Gran Novara, weshalb bei Operationen auf dem Territorium von Kijanibonde eine gewisse Zurückhaltung geboten ist.


    Sollen wir dieses Morcia für das Empire-Outremer in Besitz nehmen? Wir selbst haben dort keinerlei territoriale Ambitionen; wir sind gerne etwas weiter weg von Küsten und Meeren. So riskieren wir keine massiven Überraschungsschläge durch irgendwelche uns feindselig gesinnte Flugzeugträgerkampfgruppen aus Astor oder Dreibürgen für den Fall, dass diese Imperialisten und Neokolonialisten Weltpolizei spielen möchten.

    Hmmmm.


    Dites, Madame la Comtesse, vous voulez attaquer le pays d'Anturie? Bien sûr, ce n'est pas la même chose comme une attaque contre un ami de l'Empire des Trois-Montagnes comme Salem.


    Anturien ist doch ein failed state, ein ideales Angriffsziel für den Schwarzen Hahn - reibt sich in Gedanken die Hände.


    Bei einem Angriff auf Anturien könnten wir schon darüber reden, dies mit unseren beiden Expeditions-Divisionen zu machen. Man müsste natürlich sicherstellen, dass die anturischen Atomwaffen zuallererst in unseren Gewahrsam kommen, nicht dass damit noch Unfug angestellt wird.

    Das Original dieses Handbuchs befindet sich in der Militärschule des Schwarzen Hahns und ist nur Lehrpersonen und Militärschülern zugänglich.


    Ihre Aktion ist kompliziert, nicht einfach: Es müssen Truppen aus vier verschiedenen Streitkräften unter dem Oberbefehl einer fünften Streitkraft koordiniert werden. Das kann nur funktionieren, wenn diese Truppen vorher monatelang aufeinander eingeschlliffen wurden. Aber so wie von Ihnen dargestellt, wird das nicht möglich sein und so trägt Ihre Aktion den Keim des Scheitern in sich.


    Desolé, Madame la Comtesse.

    In der Truppenführung gibt es gewisse Grundsätze, Comtesse. Einer ist "Einfachheit". Gestatten Sie einen Auszug aus dem Taktik-Lehrbuch des Schwarzen Hahns. Beachten Sie insbesondere die Absätze 5 ff.



    Vorlesung "Einführung in die Taktik"

    Neunter Abschnitt / Allgemeine Grundsätze der Gefechtsführung



    Kapitel 53

    Einfachheit



    Der Unterstellte muss die Absicht seines Vorgesetzten vorerst einmal verstehen, begreifen,und zwar auch unter hoher physischer und psychischer Belastung und ohne ergänzende Erklärungen verlangen zu können. Die kompliziert formulierte Absicht erfüllt diese Forderung nicht und kann deshalb Ursprung sein für falsches Handeln der Unterstellten.


    Form ist aber auch Ausdruck von Inhalt: Komplizierten Aussagen kann kaum hohe intellektuelle Leistung vorausgegangen sein und wird auch wenig Visionäres zugrunde liegen.


    Es braucht die Einfachheit in der Aussage, um Unterstellte von der Qualität des Vorausgegangenen zu überzeugen. Die einfach formulierte Absicht überträgt darum weit mehr als den blossen Willen des Führers, wie zu handeln sei. Sie strahlt auch Kraft aus. Die Kraft, die es braucht, um an das Erfüllen des Auftrages zu glauben.


    Auch etwas Falsches und Unüberlegtes kann selbstverständlich einfach ausgedrückt werden. Aber Unterstellte denken ja mit. Sie machen sich auch Gedanken über das Mögliche und Unmögliche und erkennen, wo Form und Inhalt durch Unvermögen des Führers zusammenhanglos und wo sie durch geistige Leistung verbunden sind.


    Entscheidend für den allgemeinen Grundsatz "Einfachheit" ist aber etwas anderes. Komplizierte Aktionen - charakterisiert vor allem durch häufiges Koordinieren - enthalten so viele Fehlerquellen, dass sie schon darum in den meisten Fällen scheitern. Zu viel hängt bei solchen Aktionen vom reibungslosen Zusammenspiel aller Beteiligten ab, und zu wenig berücksichtigen sie, dass Menschen mit all ihren Fehlern die Akteure sind.


    "Einfachheit" als Grundsatz liegt aber auch im Wesen des Gefechts begründet: es läuft nicht so ab, wie sich das der Führer vorgestellt hat. Verbände fallen aus, der Gegner handelt anders als angenommen, die Umwelt, beispielsweise das Wetter, ändert plötzlich, und auch Unterstellte erreichen ihre Ziele nicht immer.


    Der Führer muss mit solchen Problemen fertig werden. Er kann das innert nützlicher Frist nicht, wenn er eine komplizierte Aktion anpasse muss. Zu viel müsste geändert und befohlen werden. Nur eine einfache Aktion ist mit wenigen Worten und Massnahmen einer neuen Lage anzupassen.


    Der Grundsatz "Einfachheit" gilt immer. Wird er nicht beachtet, fehlt eine wesentliche Voraussetzung, um die Unwägbarkeiten des Gefechts zu bewältigen. Aktionen sind somit so zu planen und zu befehlen, dass Führer und Unterstellte möglichst wenig koordinieren müssen. Diesen Forderungen entsprechen vor allem:


    - möglichst wenig direkt Unterstellte;

    - weitgefasste Aufträge und möglichst viel taktische Verantwortung übertragen;

    - die Zahl der Verbände, mit denen zusammenzuarbeiten ist, möglichst niedrig halten;

    - die taktische Verantwortung für einen Raum nur einem einzigen Führer zu übertragen und

    - Abschnittsgrenzen so zu legen, dass sie die Kampfführung erleichtern.

    Dem General schwirrt der Kopf.


    12.000 Mann leichte Infanterie aus dem EO sind in einer kleinen Festung auf einer Insel des EO. Gut. Diese 12.000 Mann sollen zuerst nach der Insel Uriel dislozieren und werden dort mit anturischen Truppen vereinigt und anschliessend auf das Festland gebracht. Auf das anturische Festland?


    Und wo treffen welche Truppen aus Livornien und wo treffen welche Truppen aus Valorien mit wem zusammen?


    Könnten Sie uns eine Liste erstellen mit allen beteiligten Truppen inklusive deren Ausrüstung mit schweren Waffen und Transportmitteln für Land-, See- und Lufttransport?

    Desolé Madame, wie bereits gesagt ist das alles viel zu riskant. Ausserdem haben wir sowieso alle Expeditionstruppen bis auf unbestimmte Zeit gebunden. Und ich bin nicht an Reichtümern interessiert, als Junggeselle ohne Kinder.


    Etwas Gebäck? Erzählen Sie doch etwas über die aktuelle Situation im Empire Outremer? Vielleicht können wir dorthin ja mal offiziell diplomatische Kontakte knüpfen. Sind dort alle Frauen so exceptionelle wie Sie, Madame la Comtesse?